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Wenn ich mich irgendwo vorstelle, dann sage ich meistens: "Ich
bin in der ostfriesischen Taiga aufgewachsen". Die meisten Menschen
lachen dann immer und freuen sich, dass jemand auch noch Witze machen
kann.
Mit der ostfriesischen Taiga meine ich dann immer die absolute Abgeschiedenheit
meines Elternhauses von der übrigen Zivilisation, obwohl das so
nicht ganz stimmt und doch wieder stimmt. Meine Kindheit und Jugendzeit
habe ich in einem kleinen Landarbeiterhaus mit 2 1/2 Hektar Land verbracht.
Der nächste Ort war etwa 3 Kilometer entfernt. Nach heutigen Maßstäben
ist das nicht weit, aber Anfang der 1960er Jahre war das für einen
kleinen Jungen eine gerade zu unüberwindliche Strecke. Damals gab
es weder vernünftige Straßen zum Ort, noch einen Schulbus
oder sonstige "Verkehrsmittel". Ebenso habe ich bis dahin
niemals einen Kindergarten kennen gelernt und auch keine anderen Kinder
als nur meine Geschwister.
Da wir zu Hause nur Plattdeutsch gesprochen haben, war meine Einschulung
eine neue Welt mit neuen Menschen und einer neuen Sprache für mich.
Meine Eltern hatten insgesamt 9 Kinder und so waren wir für die
übrige Gemeinde schnell als asoziale Menschen verschrieen, obwohl
mein Vater täglich 12 - 14 Stunden fleißig gearbeitet hat
und bei uns die "typischen Lebensumstände", die man mit
solchen Menschengruppen in Verbindung bringt, überhaupt nicht vorhanden
waren. Leider aber sind die Menschen sehr schnell geneigt, Vorurteile
anzunehmen und somit waren wir Kinder damals sehr schnell von der "fernen"
Gemeinschaft ausgegrenzt.
Ich persönlich habe damals schwer unter der gesamten Situation
gelitten und durch eigentlich banale Situationen bin ich mit 11 Jahren
in eine Neurose gerutscht, die ich mehr als 33 Jahre mit mir herumgetragen
habe. Hierdurch haben sich dann natürlich gewisse Verhaltensabnormalitäten
gezeigt, die wiederum "unglückliche" Reaktionen meiner
Umwelt mit sich gebracht haben.
Da sicherlich jeder Mensch von sich behauptet, er wäre normal
und er würde auch normal denken, bin auch ich nicht auf die Idee
gekommen, meine Gedanken wären abnormal, obwohl sie es in gewissen
Bereichen waren. In den 1980er Jahren fingen aber bei mir leichtere
persönliche Probleme an zu wirken. Später wurden daraus mittlere,
dann schwere Depressionen, die sich überwiegend durch Unwohlsein,
Schlaflosigkeit und fehlende Lebensfreude bemerkbar machten.
Ich persönlich habe mich dadurch mehr und mehr von meinem Umfeld
ausgegrenzt, bis dann 1995 der erste schwere Zusammenbruch kam. Erst
dann fing ich an, mich mit meinen eigenen Problemen tiefer zu beschäftigen
und was dann zu Tage kam, war schier unglaublich. Von 1995 bis Ende
1999 kam ein ganz schwerer Leidensweg, der fast zum Tode durch Selbstmord
geführt hätte.
1967 hatte ich mir eine Kindheitsneurose eingefangen, mit der ich quasi
mein ganzes Leben gelebt hatte. 1995 waren fast 30 Jahre vergangen und
mit Hilfe von Spezialisten musste ich mein Leben neu überdenken
und daraus neue Schlüsse und Ideale ziehen.
Erst durch die Niederschrift meiner Lebensgeschichte habe ich selber
die wirkliche Ursache meiner Neurose erkennen können. Man sollte
meinen, damit ist ein Mensch wieder gesund, aber so war das damals nicht.
Wenn dann sämtliche Lebensideale auf einmal nicht mehr stimmen
und man erkennen muss, dass man mehr als 30 Jahre lang einen falschen
Weg gegangen ist, dann stellt man sich die Frage, ... ja welcher Weg
ist denn der richtige ? Große Zweifel kamen bei mir auf und mein
bis dahin ungebrochenes Selbstvertrauen war wie ein Kartenhaus zusammen
gefallen.
Lesen Sie, wenn Sie mögen, meine Lebensbiographie. Sie werden
erstaunliche Dinge erfahren und werden erkennen, wie sich ein Mensch
fühlt, der ein falsches Leben lebt. Andere, ebenfalls neurotisch
behaftete Menschen werden große Parallelen zu ihrem Leben erkennen.
Insgesamt wird man anhand meines Lebensweges auch erkennen können,
das man aus einer schweren Neurose wieder heraus kommen kann, um dann
ein friedliches und würdiges Leben zu führen. Äußere
Probleme, wie beispielsweise zwangsläufige Arbeitslosigkeit, Schulden
oder ein sehr bescheidener Lebensstandard sind dadurch dann natürlich
noch nicht behoben. Aber: Ein gesunder Mensch kann auch das schaffen,
wenn er nur den notwendigen Willen dazu aufbringt, Sie werden es lesen.
Wilhelm Janssen